Zum Abschluss noch mal ein „Angst Tag“. In der Nacht um 03:00 wache ich auf. Komische da draußen. Still an sich. Der Wind hat gedreht wie vorhergesagt und weht jetzt vom Land. Aber hell ist es. Ich schau aus der Luke und sehe ein mächtiges Gewitter ein paar Meilen entfernt. Blitze zucken am Himmel, das schwache Licht des Sichelmondes beleuchtet Wolkentürme. Ach herja. Das ist genau auf dem Weg nach Pisa. Wenn ich da durch muß, das wird spannend. Aber jetzt erst noch mal zwei Stunden schlafen und hoffen das dieses Unheil nicht in meine Richtung zieht.
Um 05:00 aufgewacht. Die Dunklen Wolken sind noch da. Kaum ein Lüftlein, aber ich bin ja auch im Lee der Insel. Also erst mal gemütlich los mit Motor. Benzin habe ich ja ausreichend. Ein Kaffee kann ich mir auf dem Weg machen. Denkste. Kaum ein paar Meter vom Ankerplatz weg, fegen einige kräftige Böen von der Insel. Nach einer Meile setzte ich Segel und mache ich den Motor aus. Die Vorhersage war eher null Wind. Das ist schon mal nicht wie es sein soll. Kaum aus dem Lee der Insel, pfeffert es mit knapp 20 Knoten. Voll besegelt ist das etwas zu viel für die Rapide, also das 1ste Reff rein im Groß. Jetzt klappt das, 7-8 Knoten Fahrt bei halbem Wind. Sehr gut. Aber die dunklen Wolken vor mir machen mir noch mächtig Sorgen.
Der große Sturm war am Nord Ende von Korsika, ca. 60 Meilen entfernt. Der hat so viel Energie ins Meer gepumpt, dass nun mächtig große Dünungswellen ankommen. Und ich meine Groß! Im Tal kann ich nicht weit schauen. Dann den Berg hoch Oben vom Gipfel fällt die Rapide mit 8 Knoten Speed in das nächste Tal. Dazu komme noch Wellen von Fähren und Frachtern die quer zu den Dünungswellen laufen. Da geht es dann ab und an mal 3-5 m nach Oben und wir werden mächtige nach allen Seiten geschuppst. Mit der Situation und den dunklen Wolken um mich, ziehe ich doch sicherheitshalb die Rettungsweste an und klinke mich ein.
Wenn das so weiter geht, bin ich zum Mittag in Pisa. Aber schon nach ca 3 Stunden lässt der Wind nach, flaut komplett ab. Jetzt würfeln uns die großen Wellen erst recht rum. Das Reff raus, Motor an, damit zu mindest etwas Stabilität ins Boot kommt und der Autopilot steuern kann. Weit und breit kein Boot um mich und kein Land. Ich nutze die Zeit und schlafe noch mal eine Runde. Mit der Geschwindigkeit wird es noch mal so 12 Stunden nach Pisa dauern.
Die Ruhe währt nicht lange. Das Tief vom Koriska Sturm ist weitergezogen und zieht sich jetzt Luft vom Festland. Das ist gut für mich, da der Wind zwar mit 18 Knoten weht (ich habe wieder das 1ste Reff drin) etwas von vorne kommt, gerade so dass ich noch direkte Linie nach Pisa fahren kann. Selbst gerefft zischen wir die Wellenberge mit 6-7 Knoten hoch, gegen den Wind.
Dunkle Wolken und Regen sind jetzt hinter mir und am Festland zu sehen. Oh je. Ich lasse die Schwimmweste an. Der Wind dreht weiter mit dem Tief, so dass der Wind immer mehr achterlich kommt. Sehr gut. Damit kann ich ausreffen und wir machen noch einen Knoten mehr Fahrt.
Genau vor Livorno ist ein großes Riff, dass ich auf dem Weg noch umschiffen muß. Wassertiefen von 0-6 Meter mit nicht definierten Stellen. Dazu kommen zwei große Schiffahrttraßen mit Berufsverkehr. Da heißt es noch mal aufpassen. Zu mindest sind jetzt erst mal keine bösen, dunklen Wolken in Sicht.
Nach dem Riff sind es noch 6 Meilen bis Pisa. Der Wind hat auf 3-4 Knoten nachgelassen und schiebt mich die restlichen Meilen. Noch ein Anruf beim Tower der Marina und ich habe den finalen Liegeplatz der Tour erreicht. Ich bin wirklich froh, dass dieser Tag noch gut zu Ende gegangen ist. Jetzt noch ein Ankommer-Bier und dann ist gut für heute.

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